Neubau des Trockenteils bei Arcobräu

„Mit dem alten hätten wir den Sommer nicht überlebt“

Arcobräu, Moos: Trockenteil in nur zwei Wochen montiert und in Betrieb genommen


Mooser Liesl von ArcobräuSeit Jahren eilt Arcobräu Gräfliches Brauhaus GmbH & Co. KG von Erfolg zu Erfolg. Das vorerst letzte „Highlight“ war die „Mooser Liesl“.

Seit Jahren eilt die Arcobräu Gräfliches Brauhaus GmbH & Co. KG von Erfolg zu Erfolg. Als sich abzeichnete, dass der 25 Jahre alte Trockenteil mit dieser Entwicklung nicht mehr länger Schritt halten konnte, wurde ein Komplettneubau in Angriff genommen. Allerdings stand dafür nur ein schmales Zeitfenster zur Verfügung. Konkret lagen zwischen Montagebeginn und Produktionsstart gerade einmal zwei Wochen. Ein Projektbericht. 

Brauereidirektor Holger Fichtel, gelernter und studierter Brauer mit langjähriger Erfahrung in der Produktion, dem Vertrieb und der Logistik von Getränken, wechselte vor 14 Jahren zur Arcobräu nach Niederbayern. Zu einem absolut herausfordernden Zeitpunkt. Braute man in Moos 1971 noch 171.000 hl, gab es danach über Jahrzehnte nur noch Absatzrückgänge. Fichtel erinnert sich: „Übernommen habe ich mit 78.000 hl. Auch in meinem ersten Jahr kassierten wir ein dickes Minus. Aber dann war die Talsohle durchschritten und es ging nur noch aufwärts.“ Und wie: Über die folgenden Jahre verbesserte sich das prozentuale Wachstum des Unternehmens immer aufs Neue. Dieser Aufstieg gipfelt im letzten Jahr in einem Plus von über 20 Prozent. „Das ist 2017 nicht mehr zu toppen,“ so Fichtel, „aber zumindest ist wieder ein zweistelliges Wachstum in Sicht.“ So produziert die kleine, feine Brauereigruppe aus Arcobräu Moos, Langbräu Reisbach, Schlossbrauerei Grünbach und Schlossbrauerei Irlbach inzwischen über 280.000 hl Bier im Jahr. Dieser Erfolg ist umso bemerkenswerter, wenn man bedenkt, dass der Bierdurst der Deutschen in derselben Zeitspanne kontinuierlich abnahm. Bayern beispielsweise hat seit 1993 nicht weniger als 26,9 Prozent seines Binnenabsatzvolumens eingebüßt.

 

Vier Erfolgsfaktoren und viel Herzblut

Ein erster wichtiger Erfolgsfaktor war eine mutige Entscheidung: 2006 kaufte Arco eine Entalkoholisierungsanlage. Zu einer Zeit, als nicht nur gestandene Niederbayern noch stark an der Sinnhaftigkeit eines alkoholfreien Biers zweifelten. Heute liegt der Anteil des Alkoholfreien an der Gesamtbierproduktion in Deutschland übrigens bei nahezu sechs Prozent.

Zweitens beschloss die Brauerei die Achse München-Landshut stärker zu bearbeiten, da diese über eine deutlich höhere Kaufkraft als Niederbayern verfügt. Drittens ging man ins Ausland. „Wir sind auf allen Kontinenten dieser Welt, vor allem aber in Hongkong, Japan, Korea, China und Australien präsent. Dort sind wir erfolgreich, nicht weil wir der günstigste Anbieter sind. Sondern weil wir alles selbst abwickeln und so wichtige Entscheidungen sehr schnell treffen können“, erklärt Fichtel. Selbiges gilt fürs Inlandsgeschäft: Zwischen dem Entdecken der 0,33-l-Euro-Flasche des so erfolgreich gestarteten Hellen „Mooser Liesl“ und der Investition eines siebenstelligen Betrags für Kästen, Flaschen und den Umbauplänen des Flaschenkellers lagen genau: drei Tage. 

Nicht zuletzt investiert Arco viel Arbeit und Herzblut in den Kernmarkt. Dieser umfasst in Niederbayern einen Radius von etwa 50 km um den Mooser Schornstein. Hier setzt die Brauerei auf die Direktbelieferung ihrer Kunden. Erst wenn es weiter weg geht, ist der Getränkefachgroßhandel primär am Zug. 

Und: Arcobräu Moos steht zur bayerischen Gastronomie. So wurde die Runderneuerung aller eigenen Wirtshäuser im letzten Jahr abgeschlossen. Als sichtbares Signal für: Wir machen etwas für unsere Wirte. Eine Strategie, die über die eigenen Immobilien weit hinausstrahlt: Arcobräu ist im Kernmarkt unangefochtener gastronomischer Marktführer - als klarer Preisführer. Mit eigenem Fuhrpark werden etwa 600 Wirtshäuser beliefert, von denen nicht wenige zwischen 150 und 500 hl Bier pro Jahr ausschenken. Präsent sind die Arco-Biere auch auf den großen und überregional bekannten Festen wie dem Gäubodenfest in Straubing oder dem Pfingstfest in Moos. Letzteres ist wahrlich ein Solitär. Einige Zahlen zur Verdeutlichung: Der Ort Moos zählt 2.000 Einwohner – das Festzelt aber hat 5.000 Sitzplätze und ist an den fünf Festtagen immer ausverkauft. Diesen Besuchermagnet nutzt Arcobräu dann auch gezielt zur Kundenpflege, wie Fichtel herausstellt: „Wir laden zum Pfingstfest immer hundert Gäste aus der ganzen Welt ein. Die kommen aus Japan, China, Australien, Italien hierher, weil sie bei uns noch Kontakt zum echten Bayern haben – und zu unseren Mitarbeitern. Das schweißt zusammen.“


Portaltechnik von BMSRobust, wandlungsfähig, leistungsstark – die Portaltechnik überzeugt als Ent- und Belader gleichermaßen.

Keine Kompromisse bei der Technik

Diesem Wachstum auch maschinenseitig zu folgen, ist für Fichtel ein klares Muss: „Ich trinke das Bier ja selbst. Also gibt es bei Technik und Qualität keine Kompromisse.“ Aber es gibt auch noch einen zweiten, betriebswirtschaftlichen Grund: „Investitionen wie die in unseren neuen BMS-Trockenteil verbessern unsere Kostenstruktur weiter.“

Dieser Neubau wurde 2017 notwendig, weil der 25 Jahre alte Trockenteil mit der aktuellen Füllerleistung von 33.000 Fl/h nicht mehr Schritt halten konnte. Günther Breitenfellner, der als Braumeister mit Fichtel zusammen so etwas wie das Doppelherz der Arcobräu bildet, erinnert sich: „Es gab keine Stunde, in der wir nicht drei, vier Störungen hatten. Die Anlage hatte einfach ihren Dienst getan.“ Und dieser Dienst ist beileibe kein einfacher: Arcobräu Moos als klassischer bayerischer Vollsortimenter braut vom Alkoholfreien bis zum dunklen Doppelbock 15 verschiedene Biersorten. 

 

 

 

 

 

 

 
Neuer TrockenteilDer neue Trockenteil kann mit der aktuellen Füllerleistung von 33.000 Fl/h mühelos Schritt halten. Hinzu kommt ein deutliches Plus an Effizienz und Flexibilität.

10 bis 15 Träger pro Abfülltag keine Seltenheit

Abgefüllt wird täglich zweischichtig in die Flaschentypen 0,5-l-Euro, 0,5-l-NRW, 0,33-l-Ale sowie 0,33-l-Euro. In den Spitzenzeiten auch am Samstag. Doch damit nicht genug. „On top“ kommt die Arbeit als Dienstleister für alkoholfreies Bier. Hier hat jeder Kunde natürlich seinen eigenen Kasten. Insgesamt kommen so zwischen 30 und 35 verschiedene Trägersorten zusammen, darunter eine Splitbox. Zehn oder 15 verschiedene Träger im Laufe eines Abfülltags sind infolgedessen auch keine Seltenheit. Hinzu addieren sich die kleinen Abfüllchargen von 60 bis 65 hl. Folgerichtig sind im Flaschenkeller maximale Flexibilität und ein leichtes, schnelles Umstellen gefragt. Breitenfellner verdeutlicht: „Wir müssen manchmal alle halbe, dreiviertel Stunde umrüsten.“ Ein Faktor, der den neuen Portal-Maschinen in die Karten spielt. „Am Auspacker ist das von der 0,5-NRW auf die 0,33-Ale eine Sache von zehn Minuten. Vorher brauchten wir sicherlich eine halbe Stunde und viel mehr Kraft und Manpower“, freut sich Breitenfellner.

Doch zurück zum Projektanfang, zur Entscheidungsfindung. „Wir hatten drei Angebote am Tisch. Bereits in dieser Phase hat uns die Aufstellplanung von BMS überzeugt“, erklärt Fichtel. Hinzu kamen laut Breitenfellner die gemachten Erfahrungen mit der Maschinentechnik: „Wir hatten 2005 bereits einen der ersten Portalpacker gekauft. Der läuft so gut, dass wir ihn jetzt wieder in der Neuanlage einsetzen.“ Während der gesamten Projektierungszeit stand zudem das Ingenieursbüro von Helmut Gaißmaier beratend zur Seite. Die erfolgreiche Zusammenarbeit verlief so harmonisch und effizient, dass Gaißmaier auch in Zukunft als Berater für Arcobräu tätig sein wird. 

 
BMS Transporteure Alle notwendigen Transporteure waren ebenfalls Bestandteil des Auftrags.

Portalpacker von 2005 erneut integriert

Durchweg positiv waren auch die Erfahrungen mit der Layoutplanung des Füllereiumbaus in 2014, bei dem auch die kompletten Transporteure aus Pfatter kamen. Nicht zuletzt konnte BMS als einziger Anbieter den Wunschtermin zwischen Ende April und Anfang Mai 2017 zusagen. Und Arcobräu musste in diesem Zeitfenster umbauen: „Mit dem alten Trockenteil wären wir in diesem Sommer untergegangen“, so Breitenfellner. 

Gesagt, getan: Am 31.03. wurde bis 14 Uhr abgefüllt. Dann startete die Demontage, die ein Subunternehmer von BMS abwickelte. Um 22 Uhr war die Altanlage zu 80 Prozent, am Sonntag gegen 14 Uhr dann komplett abgebaut. Parallel dazu begannen bereits die baulichen Sanierungsarbeiten. Diese etwa zweiwöchige Phase nutzte BMS, um den bestehenden Einpacker Unipack 103 zu überholen und von Längs- auf Querlauf umzubauen. Zum Vertragsumfang zählten weiterhin zwei Palettierer Unipal 105 mit Zweiachsentechnik, ein Flaschenauspacker Unipack 103, die erforderlichen Transporteure sowie die mechanische und steuerungstechnische Integration aller Anlagenkomponenten inklusive der fremdbezogenen. 

 

Keine Biergartentemperatur – das Wetter spielt mit

Am 16. April 2017 fiel dann der Startschuss zur wirklich heiße Phase: Für Montage, Automatisierung, Schnittstellklärung, Verkabelung, Drehdichtungstest und Signalcheck standen exakt zwei Wochen zur Verfügung. Zudem galt es, alle Maschinen und Bändersteuerungen in den Teleservice einzubinden. Eine ambitionierte To-do-Liste. Etwas für Entspannung sorgte bei allen Beteiligten daher auch das Wetter, das Ende April und Anfang Mai weit entfernt von Biergartentemperaturen war. Die vorgefüllten Bierreserven schmolzen infolgedessen nicht wie Eis in der Sonne. 

Am 02. Mai 2017 war es dann geschafft – die Produktion lief an. Es folgte eine Optimierungsphase, bei der die Anlage auf alle Biersorten und Träger eingefahren und die Mitarbeiter geschult wurden. Wobei letzteres der deutlich kleinere Part war, wie Breitenfellner unterstreicht: „Bei der Bedieneroberfläche weißt du sofort, was Sache ist, was du zu tun hast. Das ist kinderleicht.“ Auch Fichtel ist rückblickend mit dem Projektablauf sichtlich zufrieden: „Der Mittelstand muss zusammenhalten. Das leben wir. Und BMS ist ein toller Mittelständler, der schon in der Angebotsphase überzeugt hat, der gigantisch schnell geliefert und installiert hat. Das war sensationell.“

Braumeister Günther Breitenfellner und Brauereidirektor Holger Fichtel Braumeister Günther Breitenfellner (l.) und Brauereidirektor Holger Fichtel sind sichtlich zufrieden mit dem Projektverlauf: „Wir arbeiten jederzeit gerne wieder mit BMS zusammen.“

„Spätestens 2021 werden wir 400.000 hl ausstoßen“

Profitable Märkte in Niederbayern, in Oberbayern, im Versandgebiet und im Ausland. An der Börse würde man von einem Portfolio mit hervorragender Risikostreuung sprechen. Bei Arcobräu Moos schaut man daher auch sehr positiv in die Zukunft. „Spätestens 2021 werden wir 400.000 hl ausstoßen“, prognostiziert Fichtel. In Zeiten eines immer härter werdenden Wettbewerbs solch ambitionierte Ziele zu formulieren, das spricht für Selbstvertrauen und Zuversicht. Beides zu Recht, übrigens. Weil: Bodenständig, schnell, wendig und höchste Qualität bei Produkt und Technik - mit dieser einfachen Philosophie hat die Arcobräu noch immer eine lohnende Nische gefunden. So verwundert es auch nicht, dass das stolze Mitglied der Kooperation „Die Freien Brauer“ auch zum Stichwort Craft-Beer eine außergewöhnliche Geschichte auf Lager hat. Zum einen sind die Biere aus Moos selbstredend alle echtes Handwerk. Zum anderen: „Sie sehen hier einen der größten Craft-Beer-Brauer Deutschlands“, erläutert Fichtel. Einen, der allerdings als „Ghostbrauer“ fungiert. Denn: Die Biere werden vom Unternehmen And Union in Südafrika, England, China und Deutschland vertrieben. So konspirativ ist die Zusammenarbeit dann aber doch wieder nicht: Wer die Homepage von And Union besucht, der sieht den Macher hinter der Marke, Rui V. Esteves, zusammen mit Fichtel und Breitenfellner lachend im Sudhaus. Und direkt daneben findet sich ein Foto der Schlossbrauerei Grünbach. „Wir machen halt viele Dinge, die andere ein bisschen crazy finden“, schmunzelt Fichtel. Außer bei der Technik, da entscheidet man ganz rational. Die Arcobräu wird bei Bedarf daher auch wieder bei ihrem oberpfälzer Nachbarn zwecks maßgeschneiderter Lösungen anfragen, wie Breitenfellner herausstellt: „Wir arbeiten jederzeit gerne wieder mit BMS zusammen.“

 

Erschienen in: Brauwelt / September 2017