Höhere Leistung und mehr Flexibilität

Kelterei Stenger rüstet sich mit neuer Mehrweglinie für weiteres Wachstum

Die Kelterei Stenger GmbH eilt seit Jahren von Erfolg zu Erfolg. Die Geister, die sie rief, die waren zum Schluss so groß, dass selbst mit sechs Abfülltagen und Dreischichtbetrieb die Nachfrage gerade noch so abgearbeitet werden konnte. Die Kelterei entschloss sich daraufhin zum Komplettneubau ihrer Abfüllung. Die Mehrweglinie mit einer Stundenleistung von bis zu 25.000 Flaschen ging im März 2019 in Betrieb. Eine erste Bestandsaufnahme.

Beladerportal  und Entladerportal Typ Unipal 105Für den Trockenteil der neuen Mehrweglinie geordert wurden ein Be- und Entladerportal Typ Unipal 105 …
Die Anfänge der Kelterei Stenger reichen bis 1895 zurück. In diesem Jahr eröffnete Peter Stenger im unterfränkischen Feldkahl ein Wirtshaus mit angegliederter Landwirtschaft. Die Äpfel seiner Streuobstwiesen kelterte er zunächst für den Eigenbedarf. Doch seine Erzeugnisse erhielten so viel Zuspruch, dass er bald für das ganze Dorf Apfelsaft und -wein herstellte. Der Betrieb wuchs danach stetig. In den 1950er Jahren war es dann soweit, dass der bayerische Apfelwein sogar nach Frankfurt geliefert wurde – also Mitten ins Epizentrum des hessischen Nationalgetränks.

 

2005: Umzug mit Keltereineubau

1990 übernahmen Armin Stenger und sein Sohn Holger das Unternehmen. Einige Jahre später waren die Räumlichkeiten in Feldkahl, inzwischen ein Ortsteil von Hösbach, zu klein geworden. So entschieden sich die Stengers 2005 für den Umzug direkt nach Hösbach, wo sie eine komplett neue Kelterei aufbauten. Zur Orientierung: Hösbach im Landkreis Aschaffenburg, der im Vorspessart fünf Kilometer von Aschaffenburg, etwa 70 km von Würzburg und rund 50 km von Frankfurt am Main entfernt liegt. Bekannt ist die Spessartregion für ihre urwüchsigen Streuobstwiesen. Hier gedeihen die typisch fränkischen Apfelsorten, aus denen die Kelterei Stenger ihren Apfelsaft gewinnt.

Portalpalettierer übernimmt das Palettenhandling… ein Portaleinpacker …

„1990 waren wir zu dritt, die jüngsten Maschinen waren 33 Jahre alt. Heute haben wir 25 Mitarbeiter und verfügen über modernste Technik“, so Holger Stenger rückblickend. Hinter dieser Kurzzusammenfassung verbirgt sich eine beeindruckende Erfolgsgeschichte. Denn die Kelterei Stenger ist in den gesamten Jahren überproportional gewachsen. Die Standbeine der mittelständischen Kelterei waren und sind dabei das Herstellen und Vertreiben von Säften, Apfelweinen und Erfrischungsgetränken sowie das Produzieren und Abfüllen als Dienstleister. „Das haben wir schon früh angefangen. Wir hatten ja bereits 1972 eine eigene Apfelschorle, konnten also still und karbonisiert abfüllen“, erklärt Stenger.

Beim Neubau der Kelterei achteten die Stengers auf einen möglicht effizienten „Workflow." Die Prozessschritte wurden dazu vom Apfel bis zum Endprodukt räumlich „in Linie geschaltet“ angeordnet. Nach der Apfelannahme kommt damit zuerst eine Presse für bis zu 300 Tonnen Äpfel pro Tag, dann geht es ins Tanklager. Dieses ist mit hohen Lagerkapazitäten ausgestattet, da die Kelterei Stenger wo immer möglich mit Direktsäften arbeitet. Nach der Presse folgen das Ausmischen zum Beispiel der Schorlen, die Abfüllung und zum Schluss das Lager, aus dem die Produkte mit dem eigenen Fuhrpark ausgeliefert werden.

Portalpalettierer übernimmt das Palettenhandling… und ein Portalauspacker Typ Unipack 103 sowie alle erforderlichen Transporteure und die Anlagensteuerung„Wir verkaufen hochqualitativ. Wir arbeiten aber auch so“

Kernmarkt ist heute der Umkreis von 100 Kilometer. Beliefert werden überwiegend Fachgroßhändler und Lebensmittelketten. Discounter sind dabei jedoch ebenso tabu wie eine preiswerte Zweitmarke, wie Stenger herausstellt: „Wir verkaufen hochpreisig. Wir arbeiten aber auch so. Alle Äpfel keltern wir selbst, den Apfelwein vergären wir immer frisch.“ Die Kelterei Stenger beschäftigt sich auch viel mit natürlichen Rohstoffen. „Für den roten Cider kaufen wir zum Beispiel Johannesbeerdirektsaft ein, keine Konzentrate oder Grundstoffe. Wir mischen lieber alles selbst aus. Das honoriert der Kunde“, so Stenger.

Wie sehr, lässt sich an den aktuellen Zahlen konkret ablesen: Im letzten Jahr hat die Kelterei Stenger mit ihren eigenen Marken über 20 Prozent zugelegt. Parallel dazu stiegen nach eigenen Angaben in diesem Zeitraum auch die Lohnfüllungen um bis zu 30 Prozent. Und das bedeutete – Abfüllung und Bedienmannschaft stießen an ihre absolute Grenze: „Wir hatten 2005 eine Anlage für 10.000 Flaschen die Stunde gebaut“, blickt Stenger zurück. Damals arbeitete Stenger übrigens erstmalig mit BMS zusammen, die die Transporteure, die Bandsteuerungen, den kombinierten Be- und Entlader sowie die Packer lieferten. Stenger weiter: „Die Anlage hat zum Schluss 15.000 Flaschen 0,33l die Stunde gebracht. Damit wurde an sechs Arbeitstagen dreischichtig abgefüllt. Service war nur am Sonntag möglich. Das war einfach nicht mehr tragbar.“

 

August 2018: Entschluss zur Erweiterungs- und Modernisierungsinvestition

Portalpalettierer übernimmt das PalettenhandlingIm Spätherbst 2019 soll zudem ein vollautomatisches Kastenmagazin realisiert werden.
„Das haben wir extra einplanen lassen, um wirklich rationell arbeiten zu können“, so Holger Stenger.

So entschlossen sich die Stengers im August 2018 zu einer Erweiterungs- und Modernisierungsinvestition. Diese war zuerst in zwei Einzelschritten angedacht. Erst sollte der Trockenteil und dann der Nassteil erneuert werden. So hätte das Projekt allerdings zwei Jahre gedauert. „Ich habe pro Jahr ja nur ein kleines Zeitfenster, um die Maschinen tauschen zu können. Ansonsten müssen wir produzieren“, verdeutlicht Stenger. Auch hätte für diese Vorgehensweise die Produktion zweimal stillstehen müssen. Nicht zuletzt wäre laut Stenger der leistungsstärkere Trockenteil vom Nassteil ausgebremst worden. „Wir hätten also keinerlei Mehrleistung gehabt. Dann also doch besser alles auf einmal.“

Dass die neuen Trockenteilmaschinen wieder von BMS bezogen werden würden, war für Stenger keine Frage. „Es ist immer ein Kaufbonus, wenn man mit etwas zufrieden ist. Dann kauft man den Anbieter wieder.“ Konkret geordert wurden ein Be- und Entladerportal Typ Unipal 105, alle erforderlichen Transporteure, zwei Portalpacker Typ Unipack 103 sowie die Anlagensteuerung.

 

Deutlich höhere Leistung auf nahezu identischer Hallenfläche

Dass der Trockenteilanbieter aus Pfatter aber auch für das Gesamtlayout und das Einbinden der Nassteilmaschinen verantwortlich zeichnete, das ergab sich in der ersten Planungsphase des Projekts. Denn, wie bei Bestandsgebäuden häufig, glich die Anlagenplanung einem Puzzle mit sehr vielen Teilen. Grund dafür war einmal mehr die limitierte Fläche. So war die bestehende Abfüllhalle gerade einmal um 200 m2 zu erweitern. Und auf dieser Fläche galt es, eine 25.000er-Mehrweglinie für 0,33l inklusive so raumgreifender Maschinen wie einem Pasteur oder einer Flaschenwaschmaschine zu platzieren. Eine immense Herausforderung, bauen doch viele Komponenten bei einem solchen Leistungssprung wesentlich größer – vor allem im Nassteil.

„Ich habe hier teilweise mit Scherenschnittmodellen an der Aufstellung getüftelt. Dabei zeigte sich, dass individuelle Lösungen notwendig waren, um mit unserer Gebäudesituation zurecht zu kommen. BMS war die einzige Firma, die in alle Richtungen offen war. Andere Anbieter haben hier die Segel gestrichen“, fasst Stenger diese Projektphase zusammen.

 

Maximale Flexibilität als zentrales Ziel

Abb. 4: Die Umpackanlage erreicht eine Stundenleistung von 20.000 Flaschen beim 20er- und 22.000 Flaschen beim 24er-Karton. Beim 20er-auf-12er-Programm werden 10.000 Flaschen pro Stunde umgesetzt. „1990 waren wir zu dritt, die jüngsten Maschinen waren 33 Jahre alt. Heute haben wir 25 Mitarbeiter und verfügen über modernste Technik.“ Holger (l.) und Armin Stenger eilen seit Jahren von Erfolg zu Erfolg.

Zentrales Ziel bei der Projektierung war eine maximale Flexibilität in der Abfüllung, das heißt kurze Umstellzeiten. Nicht verwunderlich, wenn man aktuell dieses Verarbeitungsprogramm hat. Bei den Flaschen sind das die 0,2 l, die 0,33 l, die 0,5 l, die 1 l VDF, die 1 l Apfelwein sowie die 0,5 l Einweg-Cider. Als Kästen verarbeitet werden der 20er und 24er, der 12 x 0,2er, der 6er VDF sowie ein 6er und ein 12er für den Apfelwein. Hinzu addieren sich zwei Lohnfüllprodukte mit individueller Flaschen-Kasten-Kombination.

Da bei Stenger nur ein Palettentyp zum Einsatz kommt, ist beim Be- und Entlader der Produktwechsel gleichbedeutend mit einem einfachen Programmwechsel. Im Bereich der Packer war gemäß Stenger ein höherer Aufwand notwendig: „Den Ein- und Auspacker haben wir mit speziellen Garniturenmagazinen ausgestattet. Damit ist innerhalb von fünf Minuten die Maschine umgestellt.“

Mit der Investition verfolgten die Stengers aber auch ein zweites großes Ziel: „Mit der neuen Anlage wollten wir all das, was wir vorher in drei Schichten gefüllt haben, mit einer Schicht weniger machen“, fasst Stenger zusammen. Ferner sollte die Gesamtanlage soweit automatisiert werden, wie es nur geht. Denn mehr Technik bedeute weniger Handarbeit, höhere Qualität und bessere Reproduzierbarkeit.

 

Neuaufbau in lediglich 21 Arbeitstagen

Am 27. Februar 2019 fiel in Hösbach dann der eigentliche Startschuss – die Altanlage wurde stillgelegt. Am 03. März war die Halle komplett leer. Und am Rosenmontag, den 4. März 2019, begann die Montage. „Wir sind mit einer Notbedachung des Neubaus eingezogen. Das musste einfach gehen. Sie können ja die 40 Monteure, die zur Baustelle reisen, nicht einfach so auf einen anderen Termin vertrösten“, erinnert sich Stenger.

Am 26. März produzierte die Kelterei Stenger erstmalig mit der Abfülllinie. Der gesamte Neuaufbau wurde damit in lediglich 21 Arbeitstagen realisiert. „Heute fahren wir die 0,5er-Flasche mit maximal 22.500 die Stunde, das ist abhängig vom Füller und dem Pasteur. Alles was unter 0,5 Liter ist, fahren wir dagegen mit 25.000. Und die Einliterflaschen laufen mit 15.000 die Stunde“, erklärt Stenger. Mit dieser Abfüllleistung konnte die Kelterei Stenger ihr erstes Investitionsziel sicher erreichen – der Zweischichtbetrieb ist jetzt wie geplant ausreichend. Erfreulich ist auch die große Energieeinsparung, wie Stenger unterstreicht: „Wir haben in etwa den identischen Energieaufwand wie vorher, obwohl wir ein Drittel mehr abfüllen.“

 

Vollautomatisches Kastenmagazin und Einwegoption sollen folgen

Mit Blick auf die künftige Entwicklung seiner Abfüllung hat ein Vollblutunternehmer wie Holger Stenger natürlich längst konkrete Pläne. Im Layout des Trockenteils ist eine Einwegoption für die Cider-Individualflasche bereits zu sehen. Sie soll im nächsten Jahr umgesetzt werden. Früher schon wird ein echter Prototyp kommen – ein vollautomatisches Kastenmagazin. „Das haben wir extra einplanen lassen, um wirklich rationell arbeiten zu können“, erläutert Stenger. Vorgesehen ist dessen Realisierung für den Spätherbst 2019. Aus bekanntem Grund: „Für den Einbau soll die Anlage einige Tage still stehen“, so Stenger, „das geht vorher nicht, da ist einfach die Nachfrage zu groß. Wir müssen abfüllen.“

 

Fachartikel: BMS Maschinenfabrik

Erschienen in: Flüssiges Obst / Juli 2019