Molkerei Berchtesgadener Land mit neuer Leergutsortierung

BMS unterstützt die älteste bayerische Bio-Molkerei beim Umstieg auf deutlich höhere Mehrweg-Glas-Anlagen. Alle Details zum Projekt lesen sie hier!

Die Milchwerke Berchtesgadener Land Chiemgau eG, Bayern älteste Bio-Molkerei mit mehr als 1.500 angeschlossenen Landwirten, gilt als Vorreiter für umweltfreundliche Verpackung. Eine natürliche Tierhaltung sowie ein solider Beitrag zum Umweltschutz verstehen sich nicht als Gegensatz, sondern als unabdingbare Voraussetzung.

Doch die deutlich gestiegene Nachfrage nach Glas-Mehrweg führte dazu, dass bereits vor kurzem realisierte Kapazitäten ebenso an ihre Grenze gelangten. Es galt, zusammen mit der BMS Maschinenfabrik eine deutliche Kapazitätserweiterung bei gleichzeitig limitiertem Raumangebot umzusetzen.

Hier finden Sie alle Details zum Ursprungsprojekt sowie den Spezifikationen, die das Folgeprojekt auszeichnet. Viel Spaß beim Lesen!


BMS SortierungMit dem starken Wachstum der Glasmehrwegprodukte entwickelte sich die Leergutsortierung innerhalb der Abfülllinie mehr und mehr zum Nadelöhr. Eine ausgelagerte maschinelle Sortierung sollte die Lösung bringen.

Molkerei Berchtesgadener Land: BMS Maschinenfabrik realisiert leistungsstarke Flaschensortierung

Das Bewusstsein in der Bevölkerung für mehr Umweltschutz zeigt sich u.a. am Trend hin zu Glas-Mehrweg-Produkten. Die genossenschaftlich organisierten Milchwerke Berchtesgadener Land Chiemgau eG, besser bekannt unter der Kernmarke „Berchtesgadener Land“, gelten als Vorreiter in diesem Segment. Nachdem bereits frühzeitig eine eigenständige Sortierlinie geplant war, machte der stetig wachsende Absatz dem Unternehmen einen Strich unter die Rechnung.


Was war passiert? Die bereits realisierte Lösung war bedingt durch die Nachfrage nach sortenreinem Leergut bereits nach kürzester Zeit obsolet. Das erklärte Ziel, gewissermaßen eine Verdopplung der Abfüllleistung, ließ sich unter den gegebenen Bedingungen nicht mit der gewünschten Effizienz realisieren. Es folgten eine Umplanung sowie eine Ergänzung um eine kombinierte Be- und Entpalettierung inklusive Inspektionseinheit.

Es galt, eine zukunftsträchtige Lösung zu entwickeln, um den Ansprüchen der Kundin gerecht zu werden. Weitere Informationen zu den Abläufen, den Spezifikationen der Anlage sowie den praktischen Herausforderungen finden Sie in den nachfolgenden Absätzen.


Tradition seit 1927: Die Molkerei Berchtesgadener Land im Kurzportrait

 

„Berchtesgadener Land“Hinter dem Markennamen Berchtesgadener Land verbirgt sich eine genossenschaftlich organisierte Molkerei. Verarbeitet wird die Rohmilch ausschließlich im Herzen des Berchtesgadener Landes am Produktionsstandort in Piding.

Die Kombination aus artgerechter Haltung, Naturschutz und eine enge Verzahnung mit der lokalen Wirtschaft – das ist es, was die Philosophie der Milchwerke Berchtesgadener Land Chiemgau eG wohl am Ehesten zusammenfassen würde. Die Genossenschaft, die im Jahre 1927 gegründet wurde und gegenwärtig etwa 1.800 angeschlossene Landwirte vertritt, gilt als die erste Bio-Molkerei des Freistaats Bayern. Wir möchten die Gelegenheit nutzen, um dieses besondere Konglomerat anhand der wichtigsten Aspekte kurz darzustellen.

 

 

 

  • • Anzahl der Höfe: ca. 1.800
  • • Anzahl Bergbauern: 650
  • • Anzahl zertifizierte Bio-Landwirte: 650
  • • Anzahl konventionelle Landwirte: 500
  • • Geographische Verteilung: entlang des nördlichen Alpenkamms, zwischen Watzmann und Zugspitze gelegen
  • • Durchschnittliche Anzahl Kühe pro Hof: 27 Kühe (Jahresausstoß pro Kuh: 7.500 Liter Milch)
  • • Verarbeitungsstandort: Piding
  • • Portfolio der Molkerei: Bio-Alpenmilch, Bergbauern-Milch, Quark, Joghurt, Butter, Sahne, Milchgetränke
  • • Jahresproduktion: 332 Mio. Kilogramm Milch

Schon allein ein Blick auf die Zahlen verdeutlicht, dass hier ein gänzlich anderer Ansatz verfolgt wird. Die Molkerei Berchtesgadener Land legt den Fokus stark auf naturnah unterhaltene Höfe, was sich auch im Vergleich zum Jahresausstoß einer Hochleistungskuh (12.000 Liter Milch) zeigt. Zugleich gilt die Molkerei als jene Institution, welche die mit Abstand höchsten Milchpreise (konventionell, Bio) an die angeschlossenen Landwirte auszahlt.

 

Kapazitätsplanung durch veränderte Nachfrage schnell an Grenzen gestoßen

Der Verbraucher wird immer sensitiver im Umgang mit Lebensmitteln, das gilt besonders in Bezug auf tierische Produkte. Nicht zuletzt sorgt die anhaltende Klimadebatte dafür, dass umweltfreundliche Materialien stärker nachgefragt werden. Bei der Molkerei Berchtesgadener Land betraf dies insbesondere den Absatz der Glas-Mehrweg-Artikel. Eine annähernde Verdopplung des Absatzes binnen weniger Jahre zeigt diesen Umstand plastisch auf.

Was folgt daraus? Nachdem im September 2019 eine Teil-Einstellung der 0,5 Liter Sahne-Glasflasche nötig war, um die Nachfrage nach Trinkmilch im Glas-Mehrweg zu bedienen, begann zugleich der Umstieg von konventioneller Sahne zu Bio-Sahne (ebenso Glas). In der Folge stieß die Kapazität der Trinkmilch-Abfüllung schnell an ihre Grenzen. Zugleich stieg die Durchmischung des Leerguts, mit praktischen Folgen für den Betrieb.

Da die Leergutsortierung bis dato eher händisch ablief, schlichtweg deshalb, weil die Durchmischung keinen höheren Durchsatz erforderte, entwickelte sich dieser Beschreib schnell zum Nadelöhr. Um einen Stillstand der Anlage zu vermeiden, galt es die Sortierung auszulagern. Und genau hier kommt die BMS Maschinenfabrik ins Spiel!


BMS SortierpakerEin Herzstück der realisierten Lösung sind zwei Sortierpacker in Portalbauweise.

Spezifikationen der Anlage und Projektrahmendaten in der Übersicht

Wie weit die Abläufe dank „reiner“ Leergutmengen eingespielt waren, verdeutlicht diese Aussage von Paul Althammer (stv. Produktionsleiter, Berchtesgadener Molkerei): „Früher haben wir alles in der Abfüllanlage selbst sortiert. Kam dann plötzlich eine Charge mit schlechtem Leergut, hat man innerhalb von Minuten fünf Mitarbeiter zum Sortieren organisieren müssen, damit die Anlage nicht komplett stillstand.“

Verständlich, dass mit dem Boom nach Glas-Mehrweg dieses System der Improvisation schnell an seine Grenzen gelangte. Da die Molkerei Berchtesgadener Land und die BMS Maschinenfabrik bereits früher beim Austausch einer Waschmaschine zusammenarbeiteten, galt es dasselbe Layout auf den vorhandenen Platz anzuwenden. Wir möchten die Grundzüge des (Teil-)Projektes gerne nachfolgend darstellen:

  • • Zeitraum für Komplettumbau: drei Tage (bedingt durch die „Arbeitskraft“ Kuh und die geringe Mindesthaltbarkeit von Rohmilch)
  • • Garantie durch BMS: Zusage der vollständigen Realisierung und Inbetriebnahme innerhalb des maximal möglichen Stillstands der Anlage
  • • Projektstart: 01. Juli 2019 (Beauftragung einer Sortieranlage, vollautomatisch)
  • • Ziel der Anlage: Sortenreines Weiß- und Braunglas
  • • Leistungsdaten: Abfüllleistung von 6.000 Flaschen pro Stunde, händisch ver- und entsorgt; visuelle Kontrolle der Leerkäste auf Auspackbarkeit, d.h. ggfs. Zuführung in einen neuen Sortierstrang
  • • Inbetriebnahme: 18. November 2019

Abfüllleistung sollte bereits nach einem Monat Betrieb verdoppelt werden

Da die Abfüllleistung durch vorsortiertes Leergut weiter stieg, war es nötig, ein gänzliches neues Ziel auszurufen. Nicht nur sollten der Personal- und Zeitaufwand reduziert werden. Auch galt es, die Kapazität deutlich zu erhöhen. Schließlich läuft eine teilmanuelle Arbeit, um sortenreines Leergut bereitzustellen, dem ganzen Konzept zuwider. Daraus folgte ein Ergänzungsauftrag, den die BMS Maschinenfabrik wie folgt zum Abschluss bringen konnte.

  • • Beauftragung für Erweiterung: 10. Juni 2020 (als Generalunternehmer)
  • Umfang des Projektes: kombinierte Be- und Entladung inklusive automatisierte Kontrolle der Auspackbarkeit – Projektierung, Bau, Bezug von Anlagenkomponenten, Projektmanagement, Montage (mechanisch und elektrisch), Automatisierung, Inbetriebnahme und Bedienerschulung
  • • Räumliche Anpassungen: Platzierung der Anlage in einem Bestandsgebäude, Wiederaufbau der Sortieranlage (180° Drehung) und Ergänzung um Palettierung sowie Inspektionseinheit (inkl. Transporteure)
  • • Nennleistung: 6.000 Flaschen pro Stunde
  • • Inbetriebnahme der Anlage: Oktober 2020
  • • Eingesetzte BMS-Produkte: Portalpalettierer Unipal 105, Portalpacker Unipack 2.0 (Aus- und Einpackung)

Lesen Sie hier die vollständige Reportage zum Projekt im Berchtesgadener Land: Als Download-PDF oder online als e-paper. 

Erschienen in: Getränke! Technologie & Marketing / November 2020